Der Danke-Trick

Heute verrate ich ein Rezept, für das man weder Töpfe noch eine Küche braucht.
Es handelt sich um ein sehr persönliches Rezept für Zufrieden- und Gelassenheit. Quasi wie ich mich bei Laune halte.

Ich habe mehrere Jahre an dem Rezept gearbeitet, immer wieder Zutaten und Inspiration von anderen Menschen einfliessen lassen, und es wird sich auch inskünftig weiterentwickeln und verändern.

Angefangen hat es vor fünf Jahren, als ich mich am Tiefpunkt meiner Krankheit befand. Ich konnte nur noch mit Schmerzmitteln schlafen, weil mir alles weh tat, wenn ich im Bett lag. Meine Bewegungsfähigkeit war durch die Schmerzen stark eingeschränkt. Ich konnte nicht mehr richtig gehen, eine Treppe runterlaufen konnte ich bloss wie ein Kleinkind, beide Füsse langsam auf jede Stufe, dann weiter. Mein Mann musste mir helfen, meinen Pullover auszuziehen, weil ich das selbst nicht mehr konnte. Velo fahren war nicht mehr möglich. Ich war für drei Monate zu 50 % krank geschrieben.

Ich war verzweifelt. Meine Krankheit machte mich beinahe bewegungsunfähig.

Aber dann stellte sich plötzlich ein Schalter in meinem Kopf um: So kann es nicht weitergehen, ich muss etwas unternehmen.

Ihr kennt die Geschichte: Ich fing an, mich anders zu ernähren, langsam und vorsichtig wieder zu bewegen, mich mit Entspannungstechniken auseinanderzusetzen. Aber der wichtigste Punkt für mich war, dass ich anders anfing zu denken.

Vor meiner Diagnose habe ich mich als Misanthropin bezeichnet. Jemand, der Menschen gegenüber misstrauisch ist und wenig von ihnen hält (das galt in meinem Fall natürlich nicht für ALLE Menschen). Im Teenageralter begann mir zu dämmern, wie unverantwortlich sich viele Menschen verhalten. Dies wurde mir natürlich dauernd bestätigt, wenn ich um mich sah. Das Schlimme war jedoch, dass ich richtiggehend danach suchte und entsprechende Bestätigung fand. Futter dafür gab und gibt es genügend. Wie viele Menschen mit sich selbst, miteinander und mit unserer Erde umgehen, machte mich fertig.

Zum Glück habe ich aber einen Teil in mir, der auch das Schöne sehen kann. Auch als Misanthropin ging mir das Herz auf, wenn ich schöne Blumen sah, der Himmel hellblau war, wenn ich leckeren Honig roch oder der Tee besonders gut schmeckte.

Mir wurde klar, dass ich meine Gedanken in diese Richtung lenken musste. Mir wurde klar, dass ich mich nicht über alle und alles ärgern durfte. Besonders klar wurde mir auch, dass sich die Welt nicht ändert, wenn ich mich darüber aufrege. Irgendwer hat mal gesagt, dass Wut ist wie selber Gift trinken und hoffen, dass der andere stirbt.

Aber zurück zu mir und meiner kleinen Tragödie mit einer unheilbaren Krankheit. Ich hätte darüber verzweifeln können, was ich wohl nie mehr tun konnte. Nie mehr Klettern? Nie mehr joggen? Nie mehr draussen schlafen können, weil ich mich nicht mehr ohne Hilfe auf den Boden setzen oder wieder aufstehen konnte?

Es fing wie immer klein an. Ich fing an, mich darüber zu freuen, dass ein bestimmtes Gelenk nicht mehr so stark schmerzte. Dass ich wieder Velo fahren konnte. Dass ich wieder ein Schraubglas öffnen konnte, ohne jemanden um Hilfe bitten zu müssen.

Ich entdeckte verschiedene Ideen und Philosophien, Dankbarkeit auszuüben. So fing ich an, «Danke» zu denken, wenn ich etwas Schönes sah, etwas Positives erlebte oder wenn sich ein kleiner oder grosser Wunsch erfüllte.

Gedanken der Dankbarkeit sind auch Teil meiner Morgenmeditation. Zuerst mache ich zehn tiefe Atemzüge, und dann denke ich an alles, wofür ich im Moment dankbar bin. Dass ich mit einem so tollen Mann verheiratet bin, dass ich liebe Eltern und gute Freundinnen habe, dass ich meine Medis absetzen konnte, dass ich einen Job habe, und meine eigenen Projekte verwirklichen kann. Dass so viele tolle Menschen bei Food Movement mithelfen, dass ich in einem schönen, geheizten Haus mit wunderbarer Aussicht auf die Berge wohne. Dass wir uns so gutes Essen leisten können. Und dass ich in einer Demokratie mit viel Freiheit lebe.

Das Danke sagen zieht sich durch meinen ganzen Tag hindurch. Ich danke übrigens dem Universum. Irgendwie hat sich das so etabliert, da wurde ich sicherlich beeinflusst von Elizabeth Gilbert, Louise Hay und Lacy Phillips.

Das Universum ist für mich alles, unendlich, oben und unten, wie ein riesiger, hellblauer, superbequemer und schützender Overall (dabei kommt mir in den Sinn, dass ich als Kind so einen kuschligen, hellblauen Pijama mit Füssen hatte – was habe ich ihn geliebt!).

So ziehe ich also durch die Tage, und denke «Danke»,

– wenn ich morgens aufwache
– wenn mein Mann gesund von einer Bergtour heimkehrt
– wenn eine Freundin anruft
– wenn ich mit meiner Mutter über etwas lachen kann
– wenn die Kirschen in unserem Garten blühen
   wenn ein freundlicher Autofahrer mir den Vortritt lässt
– wenn der erste Schweizer Spargel erhältlich ist
– wenn ich leuchtende Glyzinien sehe
– wenn mir jemand ein Foto von einem Freakfood-Rezept schickt (dafür bedanke ich mich natürlich auch schriftlich)
– wenn ich es auf den Zug schaffe, obwohl es knapp war
– wenn meine Katze mir um die Beine streicht
– wenn ich dank meinem GA einfach in den Zug steigen und irgendwo hin fahren kann
– wenn die Sonne scheint
– wenn mein Velo auf dem Bahnhof auf mich wartet
– wenn ich morgens die Vögel zwitschern höre
– wenn ich Ferien buchen konnte
– wenn ich ein besonders schönes Licht-/Schattenspiel sehe
– wenn ich schönes Gemüse auf dem Markt entdecke
– wenn ich die ersten Schwalben des Sommers höre und sehe
– wenn ich jemandem helfen kann.

Die Liste ist unendlich.

Danke sagen ist für mich das aktive Wahrnehmen von Schönem und Positivem. Das Gegenteil wäre wohl das gedankenlose oder passive Gar-nicht-wahrnehmen oder als selbstverständlich hinnehmen von Positivem.

Ich danke dem Universum sicherlich um die 20 Mal pro Tag. Bei jedem «Danke» macht sich ein warmes, wohliges Gefühl in meinem Körper breit. Das liegt unter anderem daran, dass sich der Level des Stresshormons Cortisol senkt – und dies nachhaltig. Dankbarkeit lenkt mich ausserdem von allem ab, was nicht so gut läuft. Sie lenkt mich von meinen aktuellen Beschwerden ab und von allem, was ich vielleicht nie mehr werde tun können. Und dafür bin ich wiederum dankbar.

Seit über einem Jahr führe ich zudem ein Dankbarkeits-Journal. Ich notiere mir jeden Tag, wofür ich dankbar bin. Angefangen habe ich dies 2016 mit dem hübschen Happiness Planner, für dieses Jahr habe ich mir eine Moleskine-Agenda mit einem Blatt pro Tag dafür gekauft.

So mache ich mir die vielen bunten «Danke» zum Konfetti des Lebens.

Inspiration:
Louise Hay: You can heal your life
Louise Hay: Tischkalender
Jack Kornfield The Wise Heart / Das weise Herz
Free + Native, Blog von Lacy Phillips
Elizabeth Gilbert BIG MAGIC (auch auf deutsch erhältlich)
http://www.health.harvard.edu/newsletter_article/in-praise-of-gratitude

...und wie wäre es damit?

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2 Gedanken zu „Der Danke-Trick

  1. Jutta Haltermann

    DANKE!!!!
    Liebe Petra,
    Ich lese gerade mit großem Interesse und Vergnügen deine Seite.
    Ich bin mit der schwammigen Diagnose Fibromyalgie geschlagen, da Rheuma und Beorelliose erstmal wohl ausgeschlossen werden konnten. Und hin und wieder bin ich sehr ungeduldig und gereizt ob der wandernden Schmerzen.
    Aber das DANKE für das was DA ist und was gut geht, hilft mir immer wieder!
    Und deine Aufzählung macht sehr deutlich, dass es nicht die GROSSEN Dinge sind, sondern das alltägliche kleine Glück, was hindurchträgt durch Schmerz, Angst und Unsicherheit, was mal wird…
    Herzlich verbundene Grüße in die Schweiz
    Jutta

    Antworten
    1. Petra Beitragsautor

      Liebe Jutta
      Bitte entschuldige, dass ich mich erst heute zurückmelde, aber ich war bis gestern ein paar Tage in Wien :)
      Deine Diagnose ist eine fiese. Es freut mich umso mehr, wenn du auf Freakfood Inspiration findest!
      Ganz lieben Dank für deinen Kommentar <3
      Herzliche Grüsse
      Petra

      Antworten

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