Gemüse-Linsen-Suppe mit Algen

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Wer wie ich in einem Land ohne Meeranschluss aufgewachsen ist, könnte es ähnlich gehen wie mir: Algen kannte nur von den Schwimm-Tümpeln auf dem Lande (keine guten Erinnerungen) oder Sushi (zu Beginn gewöhnungsbedürftig). Inzwischen schätze ich Algen – zumindest auf dem Teller.

Algen sind hervorragender Freakfood: Entzündungshemmend und mit einer hohen Dichte an Nährstoffen. Dass Algen mit ihren wertvollen Mineralstoffen und Vitaminen unsere Ernährung auf ein neues Niveau heben können, lernte ich erst vor kurzem.

Eigentlich ist es logisch. Vor mehr als drei Milliarden Jahren entstand Leben im mineralstoffreichen Meer. Noch heute ist der Mineralstoffgehalt in unserem Blut ein Spiegel dieser Urmeere. Ein schöner Gedanke: Unser Blut ist ein kleiner Teil dieser Ozeane!

Es gibt viele Möglichkeiten, Algen in die Ernährung einzuführen. Geduldige, sorgfältige Menschen können mit den Noriblättern Sushi herstellen. Alle anderen halten sich an die supereinfache Variante von in Wasser eingeweichten und kurz gewaschenen Algen wie Dulse, Arame oder Wakame. Es geht aber noch einfacher: Man kann Algen in Flocken- oder Pulverform kaufen und über Suppen und Salate streuen oder unter pflanzliche Patés mischen.

Beim Rezept für diese Linse-Gemüse-Suppe benutze ich Dulse-Algen. Sie gehören zu den Rotalgen und können im trockenen Zustand geknabbert oder in Wasser eingeweicht gegessen werden. Sie haben nur einen leicht meerigen Geschmack und eignen sich gut für Algen-EinsteigerInnen. Die Belugalinsen passen zu dieser Algensuppe, weil sie ihren Namen der Ähnlichkeit an Walfisch-Kaviar verdanken (auf den wir getrost verzichten können).

Aber Vorsicht: Vor lauter Enthusiasmus aufgrund dieser fantastischen Nährstoffbomben sollte mit dem Verzehr von Algen nicht übertrieben werden – mehr ist nicht besser!

Algenauswahl

Nährstoffwissen:
Meeresalgen werden seit Jahrtausenden zu therapeutischen Zwecken verwendet. Sie verfügen über ein einzigartiges und reichhaltiges Nährstoffprofil und gehören zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln überhaupt. Die Liste ist lang:

– Jod
– Kalzium
– Kupfer
– Chrom
– Eisen
– Lithium Mangan
– Magnesium
– Kalium
– Selen
– Silizium
– Schwefel
– Vanadium
– Zink
– Vitamine B1, B2, B3, B5, B6, B9
– Vitamin A
– Vitamin C
– Vitamin E
– Vitamin K

Jod gehört zu den Leukozyten, also den weissen Blutkörperchen. Jod spielt eine wichtige Rolle beim Angriff und der Vernichtung von Viren, Bakterien und Krebszellen. Jod unterstützt den Körper ausserdem bei der Ausscheidung von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber.

Ein Jodmangel kann sich äussern mit einer vergrösserten Schilddrüse (dem sogenannten Kropf), aber auch mit einer Unterfunktion der Schilddrüse, einer Hypothyreose.

Meeresalgen haben viele gesundheitliche Vorteile:
– sie reinigen das Blut
– sie tragen zu einer besseren Blutzirkulation bei
– sie wirken basisch
– sie sind entzündungshemmend
– sie sind gut für die Verdauung und unsere Darmflora
– sie stärken das Immunsystem
– sie sind reich an Kalzium (reicher als Milch oder Rindfleisch)
– die Eisenaufnahme wird verbessert
– der Blutdruck wird gesenkt

Wem das nicht genügen sollte: Sie machen schöne Haut, Haare und Nägel :)

Meeresalgen werden aufgeteilt in grüne, braune und rote Algen. Die Farbe ist ein Hinweis auf den jeweiligen Chlorophyllgehalt. Grünalgen wachsen im Flachwasser in Küstennähe, also dort, wo es noch viel Licht hat. Braunalgen gedeihen ca. 30 Meter unter der Wasseroberfläche, Rotalgen bis 120 Meter unter dem Meeresspiegel.

Wichtig ist, Algen aus möglichst sauberen Gewässern zu kaufen. Nach dem Unglück in Fukushima sollten Algen mit Bioqualität oder aus dem Atlantik bevorzugt werden.

Am besten beginnt man mit kleinen Mengen: Dr. Terry Wahls empfiehlt 1/4 Teelöffel Pulver oder wenige Gramm getrocknete Algen jeden zweiten Tag während eines Monats. Sobald man sich daran gewöhnt hat, können täglich ca. 28 Gramm getrocknete Algen, 1 Teelöffel Flocken oder 1/4 Teelöffel Pulver gegessen werden.

Folgende Meeresalgen sind bei uns erhältlich:

– Agar Agar (kann als Gelatine-Ersatz benutzt werden)
– Arame (eine milde, nicht sehr “fischig” schmeckende Variante)
– Dulse
– Kelp (gibt es auch als Gewürz oder Nudeln)
– Nori (darin werden die Sushi gerollt), enthält ca. 50 % Protein
– Kombu
– Wakame

Ich kaufe meine Algen jeweils im Bioladen oder Reformhaus. In den Ferien halte ich neuerdings auch nach Algen Ausschau. Im Baskenland zum Beispiel habe ich im Bioladen von Mutriku die oben abgebildeten Espaguetti de Mar gefunden.

Wichtig: Wer eine Schilddrüsenerkrankung hat, sollte die Einnahme von Meeresalgen mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen. Es ist möglich, dass die Medikamente nach einer sanften Einführung in die Ernährung reduziert werden kann. Dafür muss aber eng mit dem Arzt/der Ärztin zusammengearbeitet werden.

Quellen:
Multiple Sklerose erfolgreich behandeln/Dr. Terry Wahls, http://www.klinik-st-georg.de/fileadmin/publikationen/informiert/23_KSG_DrDouwes_Meeresalgen.pdf, http://www.webmd.com/food-recipes/why-is-seaweed-good-for-me?page=1, http://foodmatters.tv/health-resources/seaweed-superfoods, http://www.theguardian.com/lifeandstyle/2006/apr/15/healthandwellbeing.features

Zutaten Algensuppe
Vorabend

Linsen in kaltem Wasser einweichen (sie werden dann leichter verdaulich + schneller gar)
>> Linsenmenge ev. erhöhen, sodass man grad für das nächste Mittagessen noch welche hat

Zutaten für 2 Personen
400 g saisonales Biogemüse
1/2 cup / 125ml Belugalinsen (die bleiben auch gekocht bissfest)
15 g  getrocknete Dulse-Algen
2 Knoblauchzehen
1 Stück frischer Ingwer (etwa so gross wie ein kleiner Finger)
1 EL Kokos- oder Olivenöl in Bioqualität
2 TL Bouillonpaste
2 TL Tamari (glutenfreie Sojasauce)
8 dl Wasser, am besten im Wasserkocher erhitzt
etwas gemahlener Pfeffer
2 EL Sesam

Zubereitung
– die über Nacht eingeweichten Linsen in ein Sieb geben und gut spülen
– Linsen mit Wasser bedecken und mit 1 Teelöffel Bouillon aufkochen
– Hitze reduzieren und während ca. 8 Minuten weich kochen

– Dulse-Algen in kaltem Wasser 10 – 15 Minuten einweichen

– Gemüse, Knoblauch und Ingwer kleinschneiden
– Öl in einer mittelgrossen Pfanne erhitzen
– Knoblauch und Ingwer kurz anbraten
– Gemüse dazugeben und 2 Minuten unter Rühren anbraten
– Wasser und Bouillon hinzufügen und zugedeckt 10 Minuten köcheln lassen

– Dulse-Algen gut spülen, Wasser ausdrücken und klein schneiden

– Sesam in einer Bratpfanne 3 – 4 Minuten anrösten, immer wieder an der Pfanne ruckeln
– fertig gekochte Linsen und Dulse zur Gemüsesuppe geben und umrühren
– mit Pfeffer würzen und je nach Geschmack noch mit Tamari nachsalzen

– mit Sesam bestreuen und servieren

Algen

Lauch

Rotkohl

Eine schnellere Variante dieser Suppe kann man beispielsweise mit Chinakohl oder  frischem Spinat und gefrorenen Erbsen machen.

Der Duft der Algen verströmt ein bisschen Ferienatmosphäre in der heimischen Küche. Ich freue mich auf eure Rückmeldungen und Ideen zur Algenverwendung!

Herzlich,
Petra

...und wie wäre es damit?

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