Knusperkräcker mit Avocado-Mango Salsa

Hauptbild Kraecker

Vor meiner Ernährungsumstellung habe ich praktisch von Brot gelebt – als Kind deutscher Eltern ist das allerdings kein Wunder. Brot gehört zur deutschen Esskultur wie der Käse zur Schweiz. Kaum sind wir Deutschen im Ausland, beginnt die Suche nach dem “perfekten” Brot: Aussen knusprig, innen feucht, möglichst dunkel. Aber ich bin ja in der Schweiz geboren und aufgewachsen, inzwischen sogar eingebürgert – ich erlebte diese Sehnsucht nach Brot als Seconda. Aber auch hierzulande gibt es eine reiche, regionale Brotkultur. Ich habe sie alle geliebt und kam an fast keiner Bäckerei vorbei: St. Galler Brot, Walliser Roggenbrot, zürcherisches Pfünderli oder Berner Ankezüpfe.

Meine Beziehung zu Brot kam jedoch ins Wackeln. Als ich 2013 so stark unter Gelenkschmerzen litt, dass ich kaum mehr einen Apfel schneiden und ohne Schmerzmittel schlafen konnte, war der Leidensdruck so gross, dass ich eine sogenannte Ausschlussdiät/Elimination Diet machte. Ich verzichtete während zwei Wochen auf alle potentiell entzündungsfördernden Lebensmittel und führte einzelne Lebensmittel nacheinander wieder ein. Dabei beobachtete ich, wie ich diese vertrug und ob sie  Schmerzen, ein nebliges Gefühl im Kopf oder sonstige Unannehmlichkeiten verursachten. Eine sehr lange, sehr ausführliche Excel-Liste ist dabei entstanden. Bis dann wusste ich gar nicht, dass sich eine so wissenschaftliche Seite in mir verborg. Ich fand es richtig spannend, dieser Sache so genau auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was meine persönlichen Entzündungstrigger sind.

Zu Beginn der Ausschlussdiät verzichtete ich unter anderem auf Zucker, Nachtschattengewächse, Mais, Soja und Zitrusfrüchte sowie auf Weizen, Roggen und Hafer. Das war nicht einfach. Plötzlich soll man auf all das verzichten, was man täglich gegessen hat? Aber zum Glück hatte ich Rezepte für Gerichte, die auf den Ausschluss dieser Lebensmittel abgestimmt sind.

Nach zwei Tagen passierte etwas Unerwartetes: Ich bekam plötzlich starke Schmerzen im Kreuz. Ganz fest. Sehr unangenehm. Ich googelte “Ausschlussdiät” + “Entzugserscheinungen” auf englisch und fand heraus, dass viele Menschen von Schmerzen geplagt werden, wenn sie auf glutenhaltige Getreide verzichten. Aber nur für ein paar Stunden oder Tage, dann ist der Spuk vorbei. So war es auch bei mir. Ich hatte wirklich üble Schmerzen für gut 24 Stunden, ich nahm sogar ein Schmerzmittel deswegen, aber dann hatte mein Körper den Entzug überwunden. Ich muss vielleicht noch erwähnen, dass ich mich auf Glutenintoleranz (Zöliakie) testen liess, aber man stellte nicht mal die mildere Form einer Glutensensitivität fest.

Seit diesem Erlebnis verzichte ich auf Weizen, Roggen und Gerste. Dinkel esse ich selten, das heisst ungefähr einmal pro Monat. Wieso Dinkel, fragst du dich jetzt vielleicht? Dinkel enthält doch auch Gluten! Ja, tut es. Aber es ist eben nicht bloss das Gluten, das von einigen von uns nicht gut vertragen wird, sondern auch Lektin. Und Dinkel enthält weniger Lektin. Und Lektin ist wiederum entzündungsfördernd. Mehr dazu weiter unten beim Nährstoffwissen.

Ein Leben (fast) ohne Brot hat übrigens auch etwas sehr Entspanntes. Weil man nicht mehr jeden Tag darüber nachdenken (und sich mit dem Partner absprechen) muss, ob man noch Brot zuhause hat. Ich geniesse mein brotloses Leben inzwischen sehr. Weil ich damit auch nicht mehr all die Dinge kaufen muss, die man so auf Brot legt oder schmiert: Butter, Käse, Konfitüre. Alles hat sein Gutes.

Zwischendurch mag ich aber Cracker essen. Besonders für ein Picknick sind sie sehr willkommen, da sie leicht sind und zu allem passen. Ausserdem enthalten sie deutlich mehr Nährstoffe als durchschnittliches Brot, im Fall dieser Samen Kräcker auch mehr gute Fette und Eiweiss, die satt machen.

Nährstoffwissen:
Weizen ist eines der meistverzehrten Getreide. Weizen ist deshalb auch hochgezüchtet worden, um eine möglichst grosse Ernte zu erreichen. Zum Schutz von Schädlingen enthält Weizen (wie andere Pflanzen auch) Lektine. Das Weizenlektin, das Roggenlektin und das Lektin der Kidneybohnen (das sind die dunkelroten Bohnen) sind besonders aggressiv und zudem hitzestabil. Viele andere Gemüselektine sind harmlos. Lektine sind komplexe Eiweisse, die spezifische Kohlenhydratstrukturen binden und dadurch in der Lage sind, sich an Zellen bzw. Zellmembranen zu binden und von dort aus biochemische Reaktionen auszulösen.

Nicht vergessen sollte man, dass auch Produkte aus Hartweizen wie Pasta, Bulgur und Couscous Lektine enthalten. Oder Seitan, das gänzlich aus dem Gluteneiweiss von Weizen besteht.

Wo ist nun also das Problem? Wenn Weizen- oder Roggenlektine ins Blut gelangen, können sie sich im ganzen Körper verbreiten und sich an Organe anheften. Dagegen wehrt sich der Körper, greift die Lektine an und damit auch körpereigenes Gewebe. Es kommt zu Entzündungen und das Risiko für Arthrose, Rheuma, Alzheimer, Herzinfarkt, MS, Diabetes, Krebs und Autoimmunerkrankungen steigt.

Wie bitte? Ja, Lektine haben die Fähigkeit, sich an rote Blutkörperchen zu binden. Damit wird die Sauerstofftransportkapazität verringert. Die Folge: Du fühlst dich schlapp und kraftlos.

Leider ist hier noch nicht fertig, denn: Weizen- und Roggenlektine verändern die Struktur der Immunzellen und schwächen so den Schutz vor Krankheitserregern. Ausserdem schädigen sie die sogenannten Mikrovilli, mit denen die Nährstoffe im Darm aufgenommen werden. Ein hoher Getreidekonsum führt generell zu einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Hier findest du eine Liste von Krankeiten, die mit einem Mangel an Vitamin D in Zusammenhang stehen – ein Vitamin D-Mangel ist übrigens sehr verbreitet.

Wenn du also öfters mit Bauchschmerzen, Blähbauch, Durchfall, Verstopfung, Benommenheit, Ekzemen, Kopfschmerzen oder Gelenk- und Muskelschmerzen zu kämpfen hast: Mache mal zwei Wochen eine Weizen-/Roggenpause und beobachte, ob es dir besser geht. Du wärst nicht die/der erste.

Sind Weizen und Hartweizen nun des Teufels? Nein. Aber es ist sicherlich klug, den Weizen- und Roggenkonsum zu reduzieren. Freue dich über eine abwechslungsreiche Kost mit Alternativen wie Hirse, Dinkel, Quinoa, Amaranth und Buchweizen. Oder glutenfreien Haferflocken, die gibt es inzwischen sogar im Grossverteiler.

Quellen: Was erfolgreiche Sportler anders machen/Forschungsgruppe Dr. Feil, Autoimmunerkrankheiten erfolgreich behandeln/Dr. Susan Blum, WIRK +KOCHBUCH/L. Pruimboom, D. Reheis, M. Rinderer, persönliche Erfahrungen

 

Zutaten Kraecker

Zutaten für 2 Backbleche            1 cup = 250 ml
1,5 cups Haferflocken (glutenfreie)
1/2 cup Kürbiskerne
1/2 cup gemahlene Leinsamen
4 EL Sesam (ungeschält)
4 EL Flohsamenschalen (nicht zu verwechseln mit Flohsamen, gibt es im Bioladen und seit Februar 2017 in der Migros)
4 EL Olivenöl
1 TL Salz
ca. 1,5 cups Wasser

Zubereitung
– Alle trockenen Zutaten in eine Schüssel geben und gut mischen
– Olivenöl zugeben und untermischen
– Wasser zugeben, gut mischen und den feuchten Teig 10 Minuten quellen lassen

– Den Teig in zwei Hälften teilen
– Die erste Hälfte zwischen 2 Backpapieren mit dem Wallholz dünn ausrollen
– Mit der zweiten Teighälfte wiederholen

– Bei Umluft und 180 Grad 20 – 30 Minuten backen
>> Nach 20 Minuten öfters nachschauen, die Ränder dürfen knusprig golden werden
>> Wenn ihr nicht sicher seid, ob sie ganz trockengebacken sind, könnt ihr sie einfach noch 10 Minuten im abgeschalteten Ofen lassen

– 15 Minuten abkühlen lassen und Teig in Stücke brechen

Avocado-Mango Salsa mit Nori
1/2 Avocado
1/2 Mango
2 EL Granatapfelkerne
1 TL Noriflocken (Algen)
2 TL Olivenöl
etwas Kräutersalz
etwas Cayennepfeffer

Avocado + Mango in kleine Stücke schneiden und mit den restlichen Zutaten mischen.

Salsa

Ich freue mich über Bilder und Feedbacks dieser Cracker und allfällige Weizen-Verzichtsgeschichten, möglichst ohne Entzugserscheinungen…

Herzlich,
Petra

...und wie wäre es damit?

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7 Gedanken zu „Knusperkräcker mit Avocado-Mango Salsa

  1. Andrea

    Die Cracker sind der Hammer – herzlichen Dank für das Rezept! In unserer 5-köpfigen Familie essen alle sie gerne – auch wenn meine 4 Männer sonst am liebsten Weissbrot essen; wir haben sie auch schon ins Ausland weiterverschickt. Je nachdem was zu Hause ist, kommen auch mal Hanfsamen oder Pinienkerne mit rein… Auch die Salsa dazu schmeckt fein…

    1. Petra Beitragsautor

      Liebe Andrea
      Oh ich ich bedanke mich noch herzlicher, dass du mir das mitteilst!
      Auf dass sie euch allen weiterhin schmecken :)
      Ansonsten sind die Supercracker natürlich auch sehr lecker – ich bin immer hin- und hergerissen, welche ich denn nun besser finde.
      Herzliche Grüsse
      Petra

  2. Christine

    Durch was könnte ich die Haferflocken ersetzen?
    Danke sehr und liebe Grüsse

    1. Petra Beitragsautor

      Liebe Christine, vielleicht könntest du auch hier Mandelmehl oder gemahlene Sonnenblumenkerne benutzen?
      Herzlich,
      Petra

    2. patricia

      liebe petra, ich habe heute die supercracker gemacht, mit quinoaflocken, da ich noch keine glutenfreie haferflocken gefunden habe. die kinder finden sie auch ‘super’, in zukunft back ich die doppelte menge…

      1. Petra Beitragsautor

        Super cool! Das freut mich :)
        Ich habe gestern auch grad den letzten Cracker geknuspert und muss unbedingt eine neue Ladung backen.
        Liebe Grüsse!
        Petra

    3. Petra Beitragsautor

      Liebe Christine,
      schau mal, Patricia hat die Cracker mit Quinoaflocken gemacht. Wäre das eine Alternative für dich? Oder Hirseflocken?
      Liebe Grüsse
      Petra

Kommentare sind geschlossen.