Perfektion ist langweilig.

Geschirr

…und unnötig. Dieses Bild zeigt unseren Geschirr-Zirkus. Ein Chrüsimüsi, aber meine grosse Liebe. Beim Küchenschrank kann ich es schon gut mit dem Nicht-Perfektsein. Was ich spätestens dank meiner Krankheit gelernt habe: Ich muss weder perfekt sein noch alles perfekt machen.

Wenn ich es mir so überlege, dann haben nämlich all die Menschen, die mir besonders Eindruck machen, etwas gemein: Sie sind nicht perfekt. Und wollen das auch nicht sein.

Als ich die Diagnose Rheumatoide Arthritis bekam, wollte ich unbedingt alles richtig oder möglichst perfekt machen, damit es mir wieder besser geht. Obwohl es natürlich auch da kein “Richtig” gibt. Ich stellte leider fest, dass die mir verschriebenen Rheuma-Medikamente meine Beschwerden nicht linderten und die Schulmedizin – wie auch bisher in meinem Leben – nicht mein Weg sein konnte. Darum wurde ich selbst aktiv und stellte innerhalb von mehreren Monaten mein Leben auf den Kopf: Ich stellte meine Ernährung um, fing an, mich täglich zu bewegen und erlernte Entspannungstechniken.

Bei meinem Naturell lag nahe, dass ich jetzt möglichst schnell alles möglichst gut machen wollte, damit ich wieder “gesund” werde. Ich kann da knallhart und diszipliniert sein. Über mehrere Monate habe ich zum Beispiel akribisch über meine Ausschluss-Diät Buch geführt (eine meterlage Excel-Liste) – ich notierte, was ich ass und wie ich mich danach fühlte. Dank dieser Liste wusste ich genau, welche Lebensmittel meine Entzündungen verschlimmerten und in der Regel innerhalb von einer Stunde zu starken Schmerzen führten.

Aber irgendwann musste ich mir sagen: Lass mal gut sein. Jetzt weisst du ja, was du verträgst und was nicht. Es kostete mich grosse Überwindung, mit der Listerei aufzuhören.

Täglich gaben und geben mir Artikel, Bücher und Blogs neue Ideen und Inspiration, was ich für meinen Heilungsprozess auch noch ausprobieren könnte. Zahlreiche ÄrztInnen und ErnährungsberaterInnen empfehlen zum Beispiel, bei Autoimmunkrankheiten, wie Rheumatoide Arthritis dies ist, auf Gluten zu verzichten. Weizen und Roggen ass ich schon lange nicht mehr, aber Dinkel stand bis Ende 2014 noch auf meinem Speiseplan. Der Verzicht auf Gluten fiel mir als ehemaliger Brot-Junkie nicht leicht. Inzwischen verzichte ich weitestgehend auf glutenhaltiges Getreide, erlaube mir aber hie und da eine Ausnahme. Weil ich keine Zöliakie habe und weiss, dass ich nicht direkt Schmerzen bekomme nach Dinkel. Ich auferlege mir kein Nie-mehr-Gluten!-Verbot – weil auch ich mir manchmal etwas Besonderes gönnen möchte. Wenn ich zum Beispiel nach Konstanz fahre (was ich als deutsche Seconda seit über 20 Jahren 1 bis 2 Mal pro Jahr tue), gehe ich als erstes immer in die Bäckerei beim Bahnhof, wo es Dinkel-Laugen-Knöpfe gibt. Himmlisch!

Wer, ob gesund oder krank, ihre oder seine Ernährung in Richtung “gesund” bzw. entzündungshemmend steuern möchte, kann ich Folgendes empfehlen:

>> Mach kleine Schritte <<
Lass dir Zeit für Veränderungen.
Nimm dir nicht zuviel aufs Mal vor.

Ein erster Erfolg wie z. B. vier Wochen auf den Zucker im Kaffee oder Tee zu verzichten fühlt sich super an. Sobald eine Veränderung zu einer neuen Gewohnheit geworden ist, kannst du ein neues Mini-Projekt angehen.

>> Neues dazu statt auf Gewohntes verzichten <<
Vielen Menschen fällt es einfacher, etwas Neues einzuführen oder Gewohntes zu ersetzen als Liebgewonnenes zu verabschieden.

Es gibt zahlreiche Lebensmittel, die man ganz einfach in die Alltagsküche einbauen kann:

Zwiebeln & Knoblauch
Sie wirken antibaktieriell und sind gut für Blut und Blutgefässe. Knoblauch wirkt entzündungshemmend und ist ein natürliches Antibiotikum.

Sulfur

Frische Kräuter wie Basilikum, Petersilie, Oregano, Thymian, Rosmarin, Salbei, Estragon, Koriander
Sie machen Speisen geschmacklich interessant und haben wunderbare Eigenschaften. Je nach Sorte und Kombination wirken sie entzündungshemmend, schmerzlindernd, antibakteriell, beruhigend, entspannend, blutdrucksenkend, aseptisch gegen Pilze, gedächtnisverbessernd oder verdauungsregulierend.

Kräuter_1

Kräuter_2

Ingwer & Kurkuma, frisch oder gemahlen
Wirken stark entzündungshemmend und schmerzlindernd

Ingwer_Kurkuma

Blumenkohl, Broccoli, Lauch, Pilze, Rettich, Radieschen, Lauch, Kohl, Pilze
Sie haben einen hohen Schwefelgehalt, eine antibiotische Wirkung, entgiften, sind gut für einen gesunden Darm und ein gesundes Herz sowie einen ausgeglichenen Hormonhaushalt

Rohes Bio-Sauerkraut
Bis vor kurzem wusste ich selbst nicht, wie gerne ich rohes Sauerkraut mag! Es enthält wertvolle Milchsäurebakterien, die Balsam sind für unsere Darmflora. Der Fermentationsprozess macht den Kohl quasi zu einem Probiotikum (das Gegenteil von Antibiotikum).

Und dann noch ein paar Ersatzmöglichkeiten
– Dinkel statt Weizen/Hartweizen/Roggen
– Reiscracker statt Brot
– Wasser statt Rivella und Coci
– Kokosmilch statt Rahm (geht auch perfekt für eine Safran-Sauce!)
– Nüsse und Samen snacken oder über das Essen streuen
– ungesüsste Nussmilch statt Kuhmilch

Mehr Tips findest du in diesem Beitrag.

>> Offenheit zeigen <<
Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Bist du vielleicht ein bisschen so?
Vielleicht magst du deinen Horizont ganz abenteuerlich erweitern und ungewohnte Lebensmittel einmal ausprobieren? Du wärst nicht die/der einzige, die/der plötzlich neue Vorlieben zu nicht ganz traditionellen Lebensmitteln entwickelt!

Eine Bekannte von mir hat sich beispielsweise vor ein paar Monaten an Buchweizen zum Frühstück herangewagt. Die Liebe geht so weit, dass sie Buchweizen sogar auf eine Reise nach Asien mitnahm, weil es ihr so schmeckt und sie sich so viel besser fühlt damit.

Wenn du nicht gerne kochst, aber mal etwas anderes ausprobieren möchtest, dann gehe in ein Restaurant oder einen Take Away, wo gesundes Essen aus natürlichen Zutaten angeboten wird (wie z. B. Ayla Real Food in Zürich).

>> Selber machen <<
Wenn du dein Mittagessen selbst machst, hast du genau das auf dem Teller (oder im Tupper), was du gerne hast. Ausserdem kannst du ganz schön Geld sparen. Ich bereite meinen Zmittag jeweils am Vorabend zu, wenn ich einen auswärtigen Arbeitstag habe – das dauert vielleicht 10 bis 15 Minuten. Entweder lege ich etwas Rohkost, Nüsse, Samen und eine Proteinquelle (Quinoa, Hummus, ein Ei) in ein Tupperware, oder ich mache die Zutaten für einen grossen Salat inklusive der obligaten halben Avocado reisefertig, den ich dann in der Büroküche zubereite.

Ein grosser Pluspunkt für mich an Do it yourself-Take Aways ist für mich die Unabhängigkeit. Ich muss mir nicht mitten im Hungerast überlegen, was ich jetzt wo holen soll; zudem bin ich frei, einfach in einen nahe gelegenen Park zu gehen und mein Zmittag dort zu essen.

Vielleicht lockt dich auch eine Belohnung am Ende des Monats, wenn du dir mit dem gesparten Geld für teure Sandwiches oder lampige Salate etwas leisten kannst: Ein Konzert, einen Kinobesuch oder die hübsche japanische Porzellanschüssel, die du schon lange haben wolltest.

>> Geh deinen eigenen Weg <<
Egal, wie das Umfeld auf deine Veränderungen reagiert: Mach, was für dich richtig ist.

Es kann einfacher sein, nicht über deine Veränderungen zu sprechen. Sag einfach “Nein danke”, wenn dir jemand ein Gipfeli, Zucker für den Kaffee oder Sachen anbietet, auf die du lieber verzichten möchtest. Sobald du dich erklärst und rechtfertigst, wird aus der Maus ein Elefant. Wenn dann jemand entgegnet, “aber du hast doch sonst auch immer…”, dann erwidere, dass du das grad nicht essen magst. Fertig. Deine Sache!

Viel Erfolg & Spass & auf gute Gesundheit,
Petra

...und wie wäre es damit?

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2 Gedanken zu „Perfektion ist langweilig.

  1. Schärer Nina

    Interessantes Konzept.
    Ich hatte seit einiger Zeit rheumatische Beschwerden. Bin diese mit der Schaub -Diät losgeworden. Lohnt sich , dort mal einen tieferen Einblick zu gewinnen.
    Hab eine Woche auf “Ihre ” Ernährung umgestellt. Fühl mich jedoch besser mit
    Schaub-Kost .
    Gruss und viel Erfolg!

    1. Petra Beitragsautor

      Liebe Frau Schärer
      Vielen Dank für die spannende Rückmeldung, ich werde sehr gerne nachschauen, was die Schaub-Diät ist. Es freut mich, dass Sie Ihre Beschwerden damit in Schach halten können. Da wir Individuen sind, kann wohl leider keine Ernährungsphilosophie für alle funktionieren. Umso froher bin ich um Rückmeldungen wie die Ihre.
      Weiterhin alles Gute & viel Gesundheit.
      Herzliche Grüsse
      Petra Müller

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