Trompe-oeuf (veganes „Spiegelei“)

Endlich wieder ein neues Rezept auf diesem Kanal!
Ich habe zurzeit grad etwas viel auf meinem Teller, wie man im angelsächsischen Raum so schön sagt. Nebst Food Movement und meinem Job beim Museum musste ich vor lauter Enthusiasmus noch eine weitere (noch geheime) Kampagne anzetteln, die meine Zeit braucht.

Aber ich versuche, weiterhin einmal pro Monat ein neues Rezept zu posten, wenn immer es geht. Dabei muss ich jedoch auf meine Energiereserven achten, denn wenn ich mich selbst oft nicht so aufführe: Ich habe nunmal eine chronische Krankheit. Freakfood sollte ja nicht zum Stress werden für mich, sonst ist die Chose kontraproduktiv.

Und wenn es sich auch nicht jeden Tag so anfühlt – tendenziell geht es mir seit vier Jahren immer besser. Ich weiss inzwischen, welche Lebensmittel ich vertrage und welche mir besonders gut tun, ich spüre, dass tägliche Bewegung und Entspannung meiner Gesundung helfen und ich gehe noch lieber schlafen als vor meiner Diagnose, weil ich weiss, wie regenerativ und wichtig genügend Schlaf für Körper und Seele ist.

Weil es mir immer besser geht und ich meinen Alltag inzwischen ganz gut ohne grosse Schmerzen bewältigen kann, werde ich auch wieder mutiger. Und ich probiere Lebensmittel aus, die ich während meiner Ausschlussdiät und die Jahre danach nicht vertragen habe, sprich, die zu Schmerzen geführt hatten.

So kann ich seit letztem Sommer wieder Zitrusfrüchte essen. Und vor einigen Monate habe ich mich an Eier gewagt. Ich liebe den Geschmack und die Konsistenz von Eiern, aber es geht mir mit den Eiern wie mit dem Fisch: Beide werden mancherorts als gesunde Lebensmittel taxiert, die man regelmässig essen solle. Beim Fisch ist es mir jedoch schon seit Jahren verleidet, da mir bewusst ist, dass einerseits die Meere überfischt sind und mir andererseits das Futter bei Zuchtfischen nicht ganz geheuer ist. Ausserdem lässt es meine interne Ethikkommission nicht mehr zu, getötete Tiere zu essen. Fisch ist darum schon lange raus aus meiner Küche.

Bei Eiern geht es mir ähnlich. Mir ist bewusst, dass man – wie bei allen tierischen Lebensmitteln – besonders auf die Herkunft und Qualität achten muss. Aber woher weiss ich schon genau, wie die Hühner leben, wenn ich den Hof nicht höchstpersönlich gesehen und mit dem Halter/der Halterin habe sprechen können? Zudem gibt es zwar Stimmen, die Eier als supergesunde Nahrungsmittel loben, aber natürlich auch Gegenstimmen, die auf mögliche gesundheitliche Risiken hinweisen (auch wenn diejenigen für erhöhtes Cholesterin inzwischen nicht mehr zu scheinen gelten).

Vor einigen Monaten also hatte ich Lust, es nochmals mit Eiern zu versuchen. Ich habe sie im Bio-Hofladen gekauft, wo manchmal auch keine Eier erhältlich sind, wenn die Hühner mal eben wenig legen, das ist mir sympathisch. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich mit meinen 2 Eiern pro Woche zu tun hatte, aber: In der Zeit, als ich Eier ass, hatte ich wieder mehr Schmerzen.

Der Entscheid fiel mir entsprechend leicht. Ich lasse es einfach wieder bleiben mit den Eiern. Und muss mir auch kein Gewissen wegen deren Herkunft machen.

So kam es, dass ich ein pflanzliches Eibelb kreierte. Zwar bin ich kein Fan von pflanzlichen Ersatzlebensmitteln wie veganen Würstchen und dergleichen. Aber als ich mein veganes Eigelb das erste Mal sah und ass, war es um mich geschehen. Ich liebe diese leuchtend gelbe Cremigkeit! Möglich macht das ganze der nach Schwefel schmeckende Schwarzsalz, der den schönen Namen Kala Namak trägt. Wichtig dabei ist, dass man Kala Namak erst am Schluss zu den Speisen gibt, da er beim Kochen seinen typischen Geschmack verliert. Kala Namak findet man im Bioladen oder Reformhaus.

Eigentlich würde das pflanzliche „Eigelb“ reichen, um es über gedünstetes oder püriertes Gemüse, einen Salat oder Linsen zu giessen. Aber aus Jux wollte ich grad extra ein pflanzliches Ei zeigen, das tatsächlich fast ein bisschen aussieht wie ein Spiegelei. Eine Spielerei.

Der Einfachheit halber habe ich dafür ein bestehendes Rezept miteinbezogen, und zwar den Hirse-Blumenkohl-Mash. Der kriegt hiermit quasi das gelbe Tüpfelchen aufs i.

Nährstoffwissen
Dieses pflanzliche „Eigelb“ ist dicht an Nährstoffen. Es enhält gesunde Fette vom Cashewmus und Olivenöl, Kurkuma wirkt entzündungshemmend und das Tryptophan in den Cashews stimmungsaufhellend. Je nachdem, wo man sucht, sagt man Kala Namak entzündungshemmende und verdauungsfördernde Wirkung zu. Ich persönlich nehme diese Meinungen nicht allzu ernst, weil ich keine Studien darüber finden konnte. In Sachen entzündungshemmend halte ich mich lieber an Kurkuma, frische Kräuter und Omega 3-Fettsäuren.

Zutaten für 2 „Eigelbe“
2 gehäufte EL Cashewmus oder weisses Mandelmus
1/4 TL Kurkumapulver (je nach Qualität wird das Eigelb leuchtend oder weniger leuchtend gelb)
1 TL Olivenöl
1 EL Nährhefe
1/4 TL Kala Namak (ayurvedisches Schwarzsalz, das schwefelig schmeckt)
etwas frisch gemahlenen Pfeffer

optional:
Hirse-Blumenkohl-Mash gemäss diesem Rezept

Zubereitung
– Hirse-Blumenkohl-Mash gemäss Rezept zubereiten
– Alle Zutaten für die „Eigelbe“ in ein Schüsselchen geben und gut verrühren

– einen grossen Klacks Hirse-Blumenkohl-Mash auf den Teller geben
– mit einem Teelöffel eine kleine Mulde graben
– das Eigelb in die Mulde geben

Variante:
Das Eigelb schmeckt auch sehr lecker mit Linsen, gekochtem Gemüse oder Pseudogetreide

Glücklicher kann ein „Ei“ nicht sein ♥.

Herzlich,
Petra

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2 Gedanken zu „Trompe-oeuf (veganes „Spiegelei“)

  1. Bea

    Du bist einfach cool!
    Ein Stimmungsaufheller (–> m.E. auch entzündungshemmend), deine Zeilen und das Spiegelei.

    Hab Dank, liebe Petra!
    Herzlich
    Bea

    Antworten
    1. Petra Beitragsautor

      Danke vielmal, liebe Bea <3
      (und bitte entschuldige meine späte Antwort auf deinen lieben Kommentar...)
      Auch ganz herzlich,
      Petra

      Antworten

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