Kastanienmilch

Als ich kĂŒrzlich fĂŒr FOOD MOVEMENT fĂŒr einen kleinen Beitrag ĂŒber Polyphenole recherchiert hatte, habe ich eine Überraschung erlebt: Unter den 10 polyphenolreichsten Lebensmitteln kommt auch die Edelkastanie vor. Die ersten PlĂ€tze werden belegt von GewĂŒrznelken, Sternanis, Kakaopulver (!) und Oregano – soweit nicht verwunderlich, denn ich wusste, dass GewĂŒrze und KrĂ€uter hochgradig entzĂŒndungshemmend wirken. Dass es aber auch die mir so lieben Marroni auf diese Rangliste schaffen, hĂ€tte ich nicht geahnt.

Obwohl: Vielleicht hat es mein Körper geahnt? Er ist nĂ€mlich oft klĂŒger als ich. Was ich damit sagen möchte ist, dass ich immer wieder sehr grosse Lust auf Marroni habe. Nicht nur in den kalten Monaten, wenn heisse Marroni auf der Strasse erhĂ€ltlich sind und mich mit ihrem Duft betören. Auch sonst habe ich regelmĂ€ssig Heisshunger auf Marroni.

Seit vielen Jahren habe ich darum praktisch immer einen Beutel mit gefrorenen Marroni im Gefrierfach, denn ich liebe Fenchel oder Lauch mit Marroni (ich gebe dann jeweils ein paar Stunden vor dem Kochen einige Marroni in ein Sieb, ĂŒberbrause sie mit Wasser und lasse sie antauen, damit sich die Kochzeit verringert).

Manchmal kaufte ich auch einen Beutel mit Marronimehl, mit dem ich dann ehrlich gesagt etwas hilflos war: Was tun damit? Seit dem Beitrag ĂŒber Polyphenole weiss ich mehr. Ich gebe nun regelmĂ€ssig 1 – 2 Esslöffel Kastanienmehl in mein MĂŒesli. Und ich habe gelesen, dass man damit Kastanienmilch machen kann. Offenbar kann man diese Milch sogar Babys zum Trinken geben, weil sie so gut vertrĂ€glich ist (das sei ideal beim Abstillen). Wenn Kastanienmilch fĂŒr Kleinkinder gut ist, dann wird sie wohl auch fĂŒr mich gut sein, dachte ich mir.

Nach einer Wanderung an einem kalten MĂ€rztag machte ich den Versuch. Die warme Kastanienmilch schmeckte sĂŒsslich, aber doch herb. Einmal mehr dachte ich: Wie kann etwas, das so gesund ist, so lecker schmecken? Ich war begeistert.

Seither gibt es bei uns regelmĂ€ssig Kastanienmilch, vorzugsweise warm und am Nachmittag. Ich empfinde sie als richtiggehend tröstlich â€“ ich muss grad seufzen bei dem Gedanken an dieses liebliche GetrĂ€nk â™„.

Man kann die Kastanienmilch natĂŒrlich auch mit kaltem Wasser zubereiten und statt Mandel- oder sonstige Milch ins MĂŒesli geben. Ausserdem kann ich mir gut vorstellen, dass ich mir im Sommer eine kĂŒhle Kastanienmilch machen werde, das schmeckt sicher wie ein FrappĂ©!

Bei der ganzen Marroni-Geschichte schwingt fĂŒr mich auch positiv mit, dass diese NĂŒsse im Tessin wachsen, dort lange ein wichtiges Lebensmittel waren und immer noch sind. Bei all den sogenannten Superfoods, die wir aus fernen LĂ€ndern importieren, finde ich es sinnvoll, schön und gar etwas romantisch, mit der Marroni auf ein hiesieges Lebensmittel zu setzen. Ich freue mich darum umso mehr, diesen Herbst zwei Wochen Ferien im Tessin zu verbringen und auch dort ab und zu Marroni zu essen.

Wer mag, kann sich von den Empfehlungen von Hildegard von Bingen inspirieren lassen. Die GrĂŒnderin eines Frauenklosters wurde 1098 geboren und wurde 81 Jahre alt. Hildegard von Bingen hat die Edelkastanie schon zu ihren Lebzeiten gepriesen: 

„Ein Mensch, dem das Gehirn durch Trockenheit leer ist und der davon im Kopf schwach wird, koche die inneren Fruchtkerne dieses Baumes in Wasser und gebe sonst nichts dazu. Und wenn das Wasser ausgegossen ist, soll er sie oft nĂŒchtern und nach dem Essen nehmen, und sein Hirn wĂ€chst und wird gefĂŒllt und seine Nerven werden stark und so wird der Schmerz im Kopf weichen.“

„Wer im Herzen Schmerzen leidet, sodass seines Herzens StĂ€rke keine Fortschritte macht, sondern traurig ist, esse oft die rohen Kerne und das gießt seinem Herzen gleichsam einen Schmelz ein und er gelangt zu StĂ€rke und Frohsinn.“

„Die Kastanie ist ihrer Natur nach sehr warm, hat eine große Kraft in sich, die der WĂ€rme beigemischt ist, und bezeichnet die Weisheit. Und alles was in ihm ist und auch seine Frucht, ist sehr nĂŒtzlich fĂŒr den Menschen.“

Schön, oder?
Nerven stĂ€rken, Liebeskummer lindern und weiser werden – alles dank der Kastanie! 

NĂ€hrstoffwissen
Marroni sind reich an Polyphenolen, das sind sogenannte sekundĂ€re Pflanzenstoffe. Diese kommen als Farb-, Geschmack-, Bitter- und Gerbstoffe in Pflanzen vor. Das Gute daran ist: Viele dieser Polyphenole wirken antioxidativ, antikanzerogen (krebsmindernd), antientzĂŒndlich und immunmodulierend. Zudem haben sie einen schĂŒtzenden Effekt bezĂŒglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und darum fungiert die Marroni ganz oben auf der Rangliste der polyphenolreichsten Lebensmittel.

Marroni sind zudem sehr reich an B-Vitaminen, die unsere Nerven stĂ€rken. Damit noch nicht genug. Marroni sind reich an Mineralstoffen und Spurenelemente wie Eisen, Zink, Kupfer, Mangan, Magnesium, Kalzium und Kalium. Marroni enthalten alle essentiellen AminosĂ€uren, die fĂŒr den Aufbau von Proteinen gebraucht werden. AminosĂ€uren erfĂŒllen Aufgaben wie den Aufbau von Muskel-, Organ- und Bindegewebe, sie sind Bestandteil von Knochen, Haaren, Haut und NĂ€geln und sie sind nötig fĂŒr die Bildung von Enzymen und Hormonen.

Marroni wirken basisch und wirken einer ÜbersĂ€uerung des Blut-ph-Wertes entgegen. Eine ÜbersĂ€uerung des Gewebes wird unter anderem mit Erkrankungen und Schmerzen des Bewegungsapparates (Arthritis!, Arthrose, Gicht), Knochenmasseverlusten, Verdauuungsstörungen, Allergien, Konzentrationsstörungen in Verbindung gebracht.

Quellen:
https://www.naehrwertrechner.de/naehrwerte/Edelkastanien+%28Maronen%29+ger%C3%B6stet/http://hildegardvonbingen.info/gesundheit/gesunde-lebensmittel-2/edelkastanie-maroni/https://www.natur-gaben.de/edelkastanien-vorteile/kundenberichte-zur-edelkastaniehttp://www.bankhofer-gesundheitstipps.de/maronen-gesunde-kastanie.html, Burgerstein Handbuch NĂ€hrstoffe

Zutaten pro Person (3 dl)
1 gehÀufter EL Kastanienmehl
1,5 dl Mandelmilch
1,5 dl heisses Wasser
1 Dattel (oder 1 TL Dattelsirup oder 1 TL Birkenzucker)
1 Messerspitze Vanillepulver
1 Prise Salz

Zubereitung
Alle Zutaten 1 – 2 Minuten im Standmixer mixen.

Lasst mich wie immer gerne wissen, ob die Kastanienmilch euch schmeckt!
Mit einem Cheers auf die Hildegard von Bingen,
Petra

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...und wie wÀre es damit?

2 thoughts on “Kastanienmilch

    1. Petra Beitragsautor

      Beides freut mich sehr!
      Lass mich gerne wissen, ob dir die Kastanienmilch schmeckt :)
      Liebe GrĂŒsse,
      Petra

      Antworten

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